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Full text of "[untitled] Zeitschrift für Ethnologie, (1869-01-01), pages 190-192"

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weile, \ind auf ähiilielie GiiindvorBtellungen läset sich die Heiligbaltung oanopischer Krüge 
(TapaiiaatifBorneo)vonden In/iianern Californiene bis nachSeuegainbien zurückführen. Das 
PensteröflFnen für die Seele in Ostpreussen findet »ich in dem ß*auche der Irokesen. Ma- 
dflgesen u. A. m. ergänzt. Das Sackaustragen gehannter Geister in Hessen (S. 464) ist in 
Hoch-Asien geläufig. Ist das Grab in Oldenburg nicht tief genug, so geht der Todte um 
(S. 436), und die Tschuwaschen umzäunen es daher mit spitzen Pfählen, damit nicht über- 
gestiegen werden kann, während im Nordwesten Bomeo's die Leiche mit eisernen Klam- 
mern am Boden festgesclilagen wird. Die Kückkehr der Seelen am Allerseelentage (S. 442) 
ist in Chochinchina nur durch chinesische Rangabstufung von der finnischen und esthnischen 
verschieden. Doch in dieser Weist Hesse sich Satz für Satz durchgehen. 



Gerland: Altgriechische Mährchen in der Odyssee, ein Beitrag zur ver- 
gleichenden Mythologie (Magdeburg 1869). Die vergleichende Mythologie, die 
sieh auf dem indo-germanischen Sprach-Areal oder sonst auf einem historisch umschrie- 
benen Gebiete bewegt, mag sich mitunter berechtigt fühlen, auf Analogien begiündete 
Schlüsse zu ziehen (obwohl ihr Hauptwerth immer mehr in den philologischen Unter- 
suchungen, als in den mythologischen liegen wird). In allen bisher wenig erforschten 
Mythenkreisen dagegen, auf einem Terrain, dessen ethnologisch-anthropologischer Charakter 
kaum erst seinen allgemeinsten Umrissen nach niederzuzeichnen ist darf man vorderhand 
über die Ansammlung des Eohmaterials nicht hinausgehen, da eine vorschnelle Anordnung 
desselben, ehe ein Ueberblick im Grossen und Ganzen auch nur ungefähr gegeben ist, 
zu verkehrten Anordnungen führen muss und die Arbeit somit unnothigerweise verdoppeln 
würde. In dem Bestreben Gleichartigkeiten des Cultus auf Sonnenverehrung, auf eine Ver- 
götterung der Dämmerungserscheinungen, der im Gewitter personnificirten Kräfte und au 
derer Naturphänomene zurückzuführen, liegt eine bedenkliche Verwechslung der eigentlich 
religiösen und der dichterischen Anschauung. Was die sogenannte vergleichende Mythologie 
vorwiegend zum Gegenstande ihrer Beobachtungen macht, sind secundär- poetische An- 
schauungen einer späteren Zeitepoche, als sie, nachdem der Schein des Heiligen vcrblasst 
war. in das Gemeingut des Volkes zurückfielen. Allerdings erscheint in den mythologischen 
Schöpfungen die Eeligion im Gewände der Poesie, aber das bunte Aussenkleid überdeckt 
den dunkleren Kern des Inneren und der Mythologe pflegt nur die poetische Seite seiner 
Mythen zu sehen, unberührt von dem religiösen Elemente, das darunter verborgen liegt. 
Dc-f religiöse und poetische Standpunkt sind ursprünglich durch eine weite Kluft getrennt. 
Der Geist des Dichterthums gelangt erst dann zur Geltung, wenn sich eine zeitweise Har- 
monie mit der Umgebung hergestellt hat und die elegischen Klagen über die Leiden des 
Lebens das Leid vergessen machen und besänftigen. Innerhalb des so gewonnenen Ein- 
klanges überlässt sich der dichterische Genius dem vollen Schwünge »einer Phantasie und 
sucht die Gestaltungen derselben idealisch zu verschönem, um jeden weiteren Missklang 
zu vermeiden und die Mängel, die sich noch fühlbar machen, zu mildem. Das Reich des 
Dichters ist bereits durch eine lange Reihe von Mitifcelstufen, die vorher an durchlaufen 
waren, von dem der frühesten Naturauflassung entfernt, und deshalb alle den unklar- 
mystischen Strebungen, die in jener gährten und brausten mehr oder weniger fremd ge 
worden. Im Stadium des Naturzustandes wächst das Religiöse aus den Geheimnissen der 
Menschen-Exisfenz hervor. Ringsum von unverständlichen Mächten umgeben, (die seinem 
geistigen Auge dunkel sind, und deshalb zunächst leicht als finstere aufgefasst werden), 
ringt der Naturmensch mit ihnen in qualvollen Kämpfen nm die Sicherung seines Daseins 
und ruft deshalb zunächst nur grausige Sclir(!ckbilder in Fetischen und Dämonen um sicli 
hervor. Ist es ihm allmählig gelungen, die dringendsten Gefahren abzuschleifen oder zu 
beseitigen und einen gewissen Znstand der Wohlbehäbigkeit herzustellen, dann riclite« 
eich günstiger ausgestattete Talaite leicht wohnlich in demselben ein und folgen dem 



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Zuge poetischer Phaiitasieg'ebilde , die sie in lieblichen Träumen umgaukcln. Dies be- 
schränkt sich jedoch immer auf das Verreibt beglückter Sonntagokiuder, indem die grossen 
Massen noeli stets den Launen des Furchtbaren, weil Unbekannten, verfallen bleiben und antden 
))öchsteu Civllisationsgi-aden nicht viel weniger Teufel und Hexen um sich zu sehen ge- 
wohnt sind, wie auf dem niedrigen Niveau der Naturbasis, In der prUdominirenden Mittel- 
klasse der Gesellschaft indess, die (zwischen den äussersten Spitzen poetisch-philosophischer 
Eccentricitäten und der in telativer Unwissenheit verharrenden Unterlage) ein vermittelndes 
Gleichgewicht erhält, bilden sich ans der ausgleichenden Durchdringung der beiderseitigen 
Einflüsse (des ästhetisch Schönen von Oben, des überwältigetad Mysteriösen von Unten) 
die leitenden Characterzüge einer geläuterten Eeligion, die dann für die bestehende Cultur- 
Kpoche zur allgemein gülligen wird. Beabsichtigen wir nun also den psychologischen 
Wurzeln derselben nachzugehen, die religiösen Ideen ihrem Ursprung und ihrer genetischen 
Entstehung nach verstehen zu lernen, so nützt es nichts, mit den poetischen Wolkeniiügen 
umherzuschweifen, da diese uns gerade nach der entgegengesetzten Richtung hin abführen 
wurden. Die Verlockungen auf ihrer Seite sind vertülirerisoh und sciieinbar rascher be 
lohnend, aber freilich nur mit Flittergold und leerem Tand. Im Sinne einer gründlichen 
Naturforschung haben wir vielmehr hinabzusteigen in den tiefen Schacht, wo das echte 
und edle Metall in seinen Adern blinkt, wo der Denkorganismus auf physiologischer Gnind- 
lage keimt und seine Wurzeln in denselben hineingetrieben hat. Erst in den Wachsthums- 
phascu einer späteren Entwickelung können dann auch jene aus reineren Höhen zuwehende 
Lüfte nutzbringend in Rechnung gezogen werden, die die endliche Blüthencntfaltung be- 
günstigen und fördern. Aehnlichcn Anklängen in der weitereu Ausmalung der Sagen und 
Mährcben nachzugehen, ist zwecklose Zeitverschwendung, so lange wir nicht durch eine 
sorgsame Zersetzung der Grundideen das Bildungsgesetz, wodurch dieselben regiert werden, 
aufgefunden haben. 

Aus diesen Gründen können die mitunter gemachten Versuche, die Behandlungsweise 
der vergleichenden Mythologie (wie sie innerhalb philologisch begränzter Provinzen — und 
dort mit einer gewissen Berechtigung — zur geltenden wurde) auch über die religiösen 
Anschauungen der Naturvölker auszudehnen, kaum ennuthigt werden, auf diesem 
Wege fortzufahren, da sich, bis die Detailuntersuchungen weiter gediehen sind, keine 
adäquaten Proportionen gewinnen lassen. Einmal sind die Materialien für solchen Zweck 
noch lange nicht erschöpfend beisammen, und resultirt also nothwendig aus den Experi- 
menten zu künstlicher Zeitigung eine unvermeidliche Oberflächlichkeit, da die Zahl der 
vermeintlichen üebereinstiramungen mit jedem neuen Stamm, i'ür dessen genauere Betrach- 
tung weitere Daten hinzutreten mögen, sich auf's Nette erweitern und ihren gegenseitigen 
Verhältnissen nach anders verschieben würden. Ausserdem aber ist dieses psychologische 
.Studium, das die primitive Geistesverfassung dos Menschengeschlechts zu ihrem Gegen- 
stande genommen hat, ein viel zu wichtiges und bedeutungsvolles, als dass es ein dilet- 
tantisches Umhersuchen nach einigen hübschen, und, für unsern Geschmack, anziehendsten 
Episoden in der Fülle des überreich zuströmenden Materials erlauben dürfte. Jede Wissen- 
schaft hat eine Reihe von Vorstadien zu durchlaufen, wählend derer sie es sich selbst schuldig 
ist, auf das Recht des Popularisirens noch zu verzichten, weil die Controlle der in ihr herr- 
Bcheuden Gesetze der genügenden Sicherheit soweit ermangelt. Es Hegt eine Art Ent- 
weihung darin, diese Forschungen, die sich erst seit ganz Kurzem in ihrer unendlichen 
und noch völlig unübersehbaren Tragweite vor unseren Augen eröffnet haben, schon jetzt 
in abgerissenen Fetzen zur Unterhaltung, und unfruchtbar vorübergehender, Verwunderuug^ 
aufzutischen, da ein solch beiläufiges Umhernaschen nur den Appetit für solide Speise ver- 
dirbt. Bei den täglich ausgedehnteren Anforderungen der Wissenschaft ist es selbst für 
den Gebildetsten unmöglich, in sämmtliclien Kreisen gerecht zu sein , eine Theilung der 
Arbeit mus« bei allen Specialontersuchungen festgehalten werden, und obwohl Chemie, 
Physik, Physiologie und die übrigeo Naturwlssenscharten bewiesen haben, dass es 



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einen Wendepunkt giebt, wo die Resultate zum Allgemeingut des Publikums gemacht 
werden können, so darf das doch nicht zu früh geschehen, und muss die auf ethnologischer 
Basis Inductiv aufzubauende Psychologie sich bewusst bleiben, dass sie kaum erst ihren Ge- 
burtsschein erworben hat, und noch weit von den Jahren voller Manneskraft entfernt ist. 

Wenn wir diese Worte der Besprechung des oben angezeigten Buches vorhergehen 
lassen, so wollen wir damit nicht andeuten, dass die (zur Präcisirung des gegenseitigen 
Standpunktes) gegen eine ganze Richtung im Aligemeinen erhobenen Einwendungen auf 
dasselbe eine speciellere Anwendung fänden. Wir würden überhaupt am Liebsten Nichts 
einwenden oder tadeln in finem Buche, das den Fortsetzer von Waitz's Anthropologie 
zum Verfasser hat, einen der fleissigsten Mitarbeiter auf dem solcher sehr bedürftigen Felde 
der Ethnologie wo die schätzbaren Beiträge Dr. Gerlauds stets willkommenen Empfang 
finden werden. 



Der sechste Jahrgang des Annee geographique (M. Vivien de Saint- 
Martin) ist erschienen, „le resum^ le plus complet qui soit des progrds de la g^ographie," 
wie ihn mit vollem Recht M. Charles Maunoir nennt, in seinem Rapport sur les travaux 
de la Soci^t^ de göographie et sur les progr^s des Sciences g^ographiques pcndant l'ann^e 
1868, Bulletin de la Soci^t^ de Geographie, Mars-Avril, 1869. In demselben Baude 
finden sich Bemerkungen über die Falasha (von Haldvy). Die Falasha reden Ambarisch 
mit den chrstlichen Abyssiniem, denen sie auch sonst zu gleichen scheinen. Unter sich 
sprechen sie aber einen familiären Dialeet des Agaou, der ihnen so eigenthümlich ist, dass 
man ihn im Lande Falachina oder Kai'lina nennt. Die in Kaara gebräuchliche Sprache 
unterscheidet sich durch eine besondere Betonung. Das jüdische Element der Falacha 
rühre von den (bei dem Siege Kaleb's über Dou Nouas) gefangen nach Abyssinien ab- 
geführten Himyariten, die sich in die Berge jenseits des Takkazi zurückzogen und dort 
einen Theil der Agows bekehrten. 



Das zweite Heft der neu gegründeten „Rivista Sicula di Scienze, Let- 
teratura ed ArtI Vouiiie Primo, Fascicolo 2", Febbraio 1869, Palermo, 
Luigi Pedone Lauriel, 1869, enthält: LeEpigrafi Arabiche die Sicilia. (Michele Amari) 
Sulla Storia di Gagiielmo il Buono, Considerazioni (0. Hartwig) Risposta (Isidoro La Lumia) 
Lucia (Rosina Muzio-Salvo) La Quinta Tavola Taormines, lapide e due colonna inedita 
Nicolo Camarda). Rasscgna Bibliografica Memorie sull ingegno, gli studi e gli scritti del 
Dr. Alessandro Rizza, per Emanuele de Benedictis (Aleide Oliari) Rassegna Politica Bol- 
lettiuo Bibliografico. 

Nach einem Briefe Gerhard Rohlfs aus Alexandrien (27. Mai) ist derselbe aus Siwa 
dort eingetroffen und in Kurzem in Europa zu erwarten. Seine über den vermutheten „See- 
grund" bis Siwa fortgesetüten Niveaumessungen können weitere Beiträge zu den aus Strabo's 
Ansicht über die frühere Lage jenes Tempels folgenden Betrachtungen liefern. 



-^ — =^§8®.=^ — §»-- 



Errata. 



Heft I. S. 94, 16 Z. von unten lies Könige statt Römer. 
„ II. S. 135, 1. Z. V. u. 1. Set St. Seb. 
„ „ S. 147, 4. Z. V. o. I. Characterisirten. 
„ „ S. 154, Anm. 4. Z. v. u. 1. Begab. 



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